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Cocktail shaken: Wie lange? Die 12-Sekunden-Regel (wissenschaftlich belegt)

Von Gilles Coppex 6 Min. Lesezeit
In diesem Artikel
  1. Was die Wissenschaft sagt
  2. Cocktail shaken: Warum 12 Sekunden reichen
  3. Der eigentliche Feind: nasses Eis
  4. Spielt die Größe der Eiswürfel eine Rolle?
  5. Wenn du mehr Verdünnung willst
  6. Beim Shaken geht es auch um Textur
  7. Drei weitere Tipps zum Shaken
  8. Häufige Fragen
  9. Shake mit Selbstvertrauen

Wie lange solltest du einen Cocktail shaken? Etwa 12 Sekunden, und zwar kräftig. Danach wird er nicht mehr nennenswert kälter oder stärker verdünnt, egal wie lange du weitermachst.

Diese Antwort überrascht viele. Barkeeper streiten seit Jahrzehnten über Shake-Techniken, lange Shakes, kurze Shakes und den berühmten japanischen „Hard Shake“. Dann hat es endlich jemand gemessen.

Was die Wissenschaft sagt

2009 stellte Dave Arnold, damals am French Culinary Institute in New York, zusammen mit dem Barkeeper Eben Klemm seine Forschung zum Shaken bei Tales of the Cocktail vor. Später hat er sie in seinem Buch Liquid Intelligence vertieft. Seine Tests haben die Arbeitsweise vieler Profis verändert, auch meine, nach über 25 Jahren hinter der Bar.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  1. Shakst du etwa 12 Sekunden kräftig, erreicht der Drink ungefähr -5 °C bis -8 °C. Dann befindet er sich im thermischen Gleichgewicht mit dem Eis.
  2. Länger shaken bringt kaum etwas. Temperatur und Verdünnung verändern sich nach der 12-Sekunden-Marke kaum noch.
  3. Deine Shake-Technik spielt keine Rolle. Ob ausgefeilte Handgelenkarbeit, Achterbewegungen oder japanischer Hard Shake: Endtemperatur und Verdünnung fallen fast gleich aus.

Was dagegen einen Unterschied macht: der Shaker selbst, seine Ausgangstemperatur, die Stärke des Drinks und vor allem das Eis.

Cocktail shaken: Warum 12 Sekunden reichen

Im Shaker wird viel Eis durch eine kleine Menge Flüssigkeit hin- und hergeschleudert. Effizienter kann man kaum kühlen. Nach etwa 12 Sekunden haben Flüssigkeit und Eis dieselbe Temperatur erreicht.

Stärkere Drinks können etwas kälter werden, weil Alkohol bei einer niedrigeren Temperatur gefriert als Wasser. Bei den meisten Cocktails landest du aber bei -5 °C bis -8 °C.

Also: mit Energie shaken, bis 12 zählen, abseihen. An einem vollen Abend werden es dir deine Arme danken.

Der eigentliche Feind: nasses Eis

Wenn Shake-Dauer und Technik kaum eine Rolle spielen, warum schmecken manche Cocktails zu Hause dann wässrig? Fast immer liegt es am Eis.

Eis direkt aus dem Gefrierfach hat etwa -18 °C. Seine Oberfläche ist trocken. Ist dein Gefrierfach kalt genug, bleibt es sogar an den Fingern kleben.

Eis aus der Eismaschine oder dem Eiskübel liegt knapp unter 0 °C. Seine Oberfläche schmilzt bereits. Lässt du es 20 Minuten im Eiskübel stehen, liegt es in einem dünnen Wasserfilm.

Und jetzt kommt das Überraschende: Der Temperaturunterschied zwischen beiden wirkt sich kaum darauf aus, wie kalt dein Drink wird. Der Großteil der Kühlung entsteht nämlich dadurch, dass das Eis schmilzt, nicht dadurch, dass es kalt ist. Das Wasser, das an nassem Eis haftet, landet aber in dem Moment in deinem Drink, in dem du zu shaken beginnst.

Das setzt eine Spirale in Gang. Mehr Wasser bedeutet mehr Flüssigkeit, die das Eis kühlen muss. Mehr Flüssigkeit bedeutet, dass mehr Eis schmilzt. Mehr Schmelzen bedeutet mehr Wasser. Am Ende ist dein Drink dünner und schwächer, als das Rezept es vorsieht.

So vermeidest du das

  • Nimm wann immer möglich Eis direkt aus dem Gefrierfach. Wenn du eine Eismaschine hast, füll das Eis in dicke Beutel um und lagere es vor dem Gebrauch im Gefrierfach.
  • Trockne nasses Eis vor dem Shaken. Gib deine Zutaten in den kleinen Becher. Füll den großen Becher mit Eis, setz ein Barsieb darauf, dreh ihn um und schüttle ihn ein paarmal kräftig, um das Oberflächenwasser abzuschütteln. Dann gibst du das Eis zu deinen Zutaten und shakst.
  • Füll den Shaker mindestens zu zwei Dritteln mit Eis. Zu wenig Eis schmilzt zu schnell und macht deinen Drink wässrig.

Solche Details bemerkst du allein nur schwer, weil ein leicht überverdünnter Drink immer noch nach Cocktail schmeckt. Nur eben nicht nach einem richtig guten. Im Cocktailkurs der SHAKR Academy gibt es eine Übung, bei der du denselben Drink mit nassem und mit trockenem Eis direkt nebeneinander probierst. Danach siehst du Eis mit anderen Augen.

Spielt die Größe der Eiswürfel eine Rolle?

Weniger, als du denkst. Solange das Eis trocken ist, ergeben normale Würfel, große Maschinenwürfel und Röhreneis eine ähnliche Verdünnung. Große Stücke, die von einem Eisblock geschlagen werden, haben oft eine nasse Oberfläche und verdünnen deshalb ungefähr gleich stark.

Die Ausnahme ist Crushed Ice. Shake niemals damit. Es hat so viel Oberfläche und schmilzt so schnell, dass die Verdünnung in die Höhe schießt und sich nicht mehr vorhersagen lässt. Heb dir Crushed Ice für Drinks auf, die direkt im Glas gebaut werden, etwa einen Mint Julep.

Wenn du mehr Verdünnung willst

Ein Drink, der mit trockenem Eis geshakt wird, nimmt etwa 20 % seines Volumens an Wasser auf. Für die meisten Cocktails passt das genau. Manche Drinks, etwa der Daiquiri, schmecken mit etwas mehr besser.

Manche Barkeeper erreichen das, indem sie mit einer Mischung aus Würfeln und Crushed Ice shaken. Die Ergebnisse schwanken allerdings von Drink zu Drink.

Zuverlässiger geht es so: Shake mit trockenem Eis aus dem Gefrierfach und gib einen abgemessenen Schuss sehr kaltes Wasser als zusätzliche Zutat dazu. In meinen Rezepten findest du deshalb oft „15 ml gekühltes Wasser (weglassen, wenn dein Eis nass ist)“. Das ist präzise, reproduzierbar und einfach.

Beim Shaken geht es auch um Textur

Shaken kühlt und verdünnt nicht nur. Es schlägt winzige Luftbläschen in den Drink und erzeugt oben einen leichten Schaum. Das gibt einem geshakten Cocktail seine lebendige, leicht trübe Textur, die du durch Rühren nie bekommst.

Diese Bläschen verschwinden schnell. Deshalb sollte ein geshakter Drink direkt nach dem Abseihen serviert und getrunken werden.

Manche Zutaten halten die Bläschen deutlich besser als andere:

  • Ananassaft ergibt immer einen dichten, lang anhaltenden Schaum.
  • Frischer Zitronen- und Limettensaft funktioniert ebenfalls gut. Geklärter Saft verliert diese Fähigkeit.
  • Eiweiß ist dank seines hohen Proteingehalts der König des Schaums.

Auch die Größe des Eises spielt hier mit. Größeres Eis sorgt für eine bessere Textur. Dave Arnold empfiehlt, mit einem großen Würfel plus ein paar normalen Würfeln zu shaken: Der große baut die Textur auf, die kleinen sorgen für die Verdünnung. Mehr zum Thema Schaum findest du in meinem Guide zu Cocktails mit Eiweiß.

Drei weitere Tipps zum Shaken

Metall statt Glas. Edelstahl kühlt schnell und entzieht deinem Drink kaum Kälte. Ein schweres Glas nimmt mehr Energie auf, dein Drink wird also etwas wärmer. Ein zweiteiliger Shaker ganz aus Metall ist meine Wahl.

Mit beiden Händen halten und niemals Kohlensäure shaken. Ein Shaker, der dir aus der Hand rutscht, kann den ganzen Raum einsauen oder jemanden treffen. Kohlensäurehaltige Zutaten bauen Druck auf und können den Shaker aufsprengen. Gib Soda oder Schaumwein erst nach dem Shaken dazu.

Sauber öffnen. Einen Shaker zum Öffnen auf die Theke zu schlagen, wirkt unprofessionell und kündigt meistens einen schlechten Drink an. Löse die Verbindung, indem du mit dem Daumen seitlich gegen den kleinen Becher drückst.

Häufige Fragen

Wie lange sollte man einen Cocktail shaken? Etwa 12 Sekunden kräftig. Der Drink erreicht dann rund -5 °C bis -8 °C und verändert sich danach kaum noch.

Wird ein Cocktail kälter, wenn man länger shakt? Nein. Nach ungefähr 12 Sekunden sind Drink und Eis im Gleichgewicht, längeres Shaken bringt also kaum noch etwas.

Warum schmeckt mein Cocktail wässrig? Meistens wegen nassem Eis. Das Wasser auf der Oberfläche landet sofort in deinem Drink. Nimm trockenes Eis aus dem Gefrierfach und füll deinen Shaker mindestens zu zwei Dritteln.

Kann ich mit Crushed Ice shaken? Nein. Es schmilzt zu schnell und macht die Verdünnung unberechenbar.

Shake mit Selbstvertrauen

Zwölf Sekunden, trockenes Eis, ein voller Shaker. Diese drei Gewohnheiten verbessern deine Cocktails mehr als jede neue Flasche.

Der nächste Schritt ist zu wissen, wann du gar nicht shaken solltest. Darum geht es in Shaken oder rühren?, und genau das ist das Rückgrat des Mise-en-place-Moduls im Cocktailkurs der SHAKR Academy. Dort übst du Shaken, Rühren, Throwing und das Bauen von Drinks im Glas, bis es dir in Fleisch und Blut übergeht. Der Kurs umfasst 57 Lektionen, ein PDF-Handbuch mit allen Rezepten, eine Hörbuchversion und eine Zertifizierungsprüfung. Melde dich zum Cocktailkurs der SHAKR Academy an.

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